Ewige Kernkraft!

6. April 2011

Seit die Reaktorblöcke in Fukushima vor sich hin brutzeln, gibt es endlich wieder eine breite Atomdebatte in Deutschland. Darüber alleine kann man sich schon wundern… Sind unsere Atomkraftwerke durch das Erdbeben in Japan irgendwie gefährlicher geworden als vorher? Nein, sie sind noch haargenauso todbringend wie zuvor.

Als Kernkraftgegner muss man sich ja immer allerhand vorhalten lassen von den Befürwortern. Der beliebteste Vorwurf ist anscheinend, man sei irrational. Nun, natürlich frage ich mich andersherum, inwiefern es rational sein soll, wenn man sich eine Höllenmaschine in den Vorgarten stellt, die falls sie tatsächlich mal hochgehen sollte, nicht nur das eigene Grundstück in die Luft jagt, sondern gleich die halbe Stadt dem Erdboden gleichmacht. Aber das ist bestimmt kleinlich jetzt.

Was ich dennoch vollkommen seltsam finde, ist, dass es aus den Kreisen der Wirtschaft so wenig Widerstand gegen die Nutzung von Kernkraft gibt. Daran, dass das Gemeinwohl hinter den wirtschaftlichen Interessen zurücktritt, hat man sich ja schon gewöhnt. Aber berührt die Kernkraft nicht auch die Wirtschaft? Sollte wirklich in Mitteleuropa ein AKW platzen, würde das auch unzählige wirtschaftliche Existenzen zerstören (und den Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig gefährden). Daran können doch neben den natürlichen auch juristische Personen kein Interesse haben.


Unisono – cui bono?

23. November 2010

Gleiches Ziel – zweiter Versuch.

Während Innenminister Schäuble noch probierte, durch eine Politik des steten Tropfens, also der ständigen Beschwörung einer Terrorgefahr, quasi durch Desensibilisierung, den Boden für eine radikale Sicherheitsgesetzgebung zu bereiten, inszenierte sich Innenminister De Maziere bislang als besonnener Vertreter seiner Zunft. Nach langer Pause macht er nun doch endlich den lange erwarteten Vorstoß, der gerade durch die Ruhe davor um so mehr an Wirkung entfaltet.

Und alle stimmen mit ein. Die Gefahr von Anschlägen ist wieder einmal noch höher als vorher. Persil wäscht jetzt noch weißer. Ist die Gefahr nun noch konkreter oder noch abstrakter? Die Experten streiten sich noch. Überall wird polizeilich aufgerüstet, so dass sich auch der Normalbürger der Dynamik kaum entziehen kann. Es besteht kein Grund zur Beunruhigung, aber halten sie Fenster und Türen geschlossen.

Seufz. Ich könnte jetzt davon schreiben, dass ein Ziel von Terrorismus ist, Angst und Schrecken zu verbreiten, und wie paradox es ist, wenn die Regierung und die Medien jetzt die Rolle der Terroristen übernehmen und eine solche Panikmache veranstalten. Und ich könnte davon schreiben, dass uns seit 10 Jahren nahezu ohne Unterbrechung eine Terrorgefahr suggeriert wird, für deren Existenz es – bis auf die Blindgänger von der Sauerlandgruppe – nicht einen Beweis gegeben hat. Und ich könnte davon schreiben, welche und wie unglaublich viele real existierende Gefahren es im Alltag gibt, die tatsächlich jeden bedrohen, ganz konkret. Und ich könnte davon schreiben, dass wir anscheinend keine schärfere Gesetzgebung brauchen, wenn es nicht einen Fall gibt, dessen Verfolgung aufgrund der bisherigen Gesetze nicht möglich war. Und ich könnte davon schreiben, dass das alles aussieht wie ein abgekartetes Spiel.

Aber es ist eine Binsenweisheit, dass es in der Politik nicht mit Logik oder Vernunft zugeht. Deswegen hat es auch keinen Sinn zu argumentieren. Argumente sind endgültig und anscheinend unwiederbringlich aus der Politik verschwunden.


Integration leicht gemacht

19. Oktober 2010

Nun muss ich doch noch was schreiben zur sogenannten „Integrationsdebatte“. Die weder was mit Integration zu tun hat, noch eine Debatte ist. Als unser aller Bundespräsident Wulff neulich sagte, der Islam gehöre inzwischen auch zu Deutschland, hielt ich Ahnungsloser das noch für eine politische Binsenweisheit. Weit gefehlt…

Hartnäckig hielt sich seit Wochen das Gerücht, dass Multikulti und damit die Integration von Ausländern in die deutsche Gesellschaft gescheitert sei, nun hat die Kanzlerin dem endlich noch ihren Segen gegeben. Jetzt ist es also amtlich.

Klar, wenn wir Ausländer sagen, meinen wir eigentlich keine Ausländer: wir meinen fremdstämmige Deutsche. Und wir meinen eigentlich auch keine Amerikaner, Polen oder Belgier: wir meinen Türken.

Früher hat man gesagt, die Türken heissen alle Ali, stinken nach Knoblauch, können kein deutsch und sind faul. Und dass sie uns die Arbeitsplätze wegnehmen. Naja, Fremdenfeindlichkeit ist halt ne Gefühlssache und von daher auch immer ein wenig widersprüchlich.

Heute, wo sich auch die Mitte der Gesellschaft endlich traut, ihren bis dato aus Standesdünkel unterdrückten Ressentiments freien Lauf zu lassen oder anders gesagt, wo die Existenzangst endlich auch in der Mittelschicht angekommen ist, kann man sowas nicht mehr so sagen. Man kann es noch so meinen, kann es aber nicht mehr so sagen. Fremdenfeindlichkeit sollte man nicht wie früher den Nazis oder Proleten überlassen. Die nimmt ja keiner ernst. Heutzutage sollte sowas am besten nach einer fundierten, politischen Meinungsäußerung klingen, angereicht mit Prozenten, Statistik, Genetik und Phrasen aus dem Werkzeugkasten der Soziologie: Türken sind nicht integrationsbereit. Türken sind deutschenfeindlich. Türken ruhen sich auf unsere Kosten auf Hartz IV aus. Türken wollen den Gottesstaat, die Scharia und die Parallelgesellschaft.

Hach, was für eine großartige Zeit, in der wir da leben. Und was für ein großartiges Land. Und wir selbst sind auch so großartig. Unsere humanistischen Ideale liegen zwar nicht mehr in Griffweite auf dem Wohnzimmertisch, stehen aber dafür sauber sortiert im Bücherschrank. Archiviert sozusagen. Was man hat, das hat man.

Man könnte fragen: Wozu brauchen wir heute noch Toleranz? Die habe uns schließlich erst dahin gebracht, wo wir heute sind! Nein, damit sind jetzt nicht der vergleichsweise hohe Lebensstandard und die Freiheit von Repression durch Kirche, Staat oder Gesellschaft gemeint. Nein, gemeint sind die Türken, die sich wegen unserer fehlgeleiteten Toleranz partout nicht integrieren wollen. Am besten zwingt man die solange, bis sie sich freiwillig integrieren.

Aber wie soll dieses Integrieren praktisch vonstatten gehen? Darüber hört man leider gar nichts. Wann ist ein Türke vollkommen integriert? Ich versuche im folgenden mal Forderungen zu formulieren zur Integrationsdebatte, so wie ich sie verstanden habe:

  • Ein Türke sollte unbedingt Arbeit haben, damit er unserem großartigen Staat nicht auf der Tasche liegt. Er muss natürlich darauf achten, dass er keinem Deutschen dessen Arbeitsplatz wegnimmt. Am besten nimmt er nur Jobs an, die kein Deutscher machen möchte. Da muss er natürlich wiederum aufpassen, dass er nur Jobs annimmt, bei denen er nicht mit Hartz IV „aufstocken“ muss. Aber das kriegt er schon hin.
  • Er sollte zu jeder Tages- und Nachtzeit Anzug tragen, am besten Nadelstreifen. Und gut rasiert sollte er sein. Aber: keine teuren Uhren oder Schmuck am Handgelenk. Und: keine Casanova-Allüren, damit auch noch Frauen für uns übrig bleiben. Wenn ein Reporter ihn für eine Integrationserfolgsstory fotografieren möchte, ist er verpflichtet, sich zur Verfügung zu stellen.
  • Er sollte stets freundlich sein und in der Öffentlichkeit nicht zu laut reden. Man könnte ihn ja für einen Südländer-Macho oder Kriminellen halten. Er sollte mit seiner Bescheidenheit und Zurückhaltung ein Vorbild für andere sein. Am besten sagt er nur etwas, wenn er gefragt wird.
  • Er sollte fehlerfreies Deutsch sprechen. Wenn möglich akzentfrei. Er sollte die deutsche Orthographie und Grammatik so gut beherrschen, dass er andere Türken bei Bedarf verbessern kann. Deutsche hingegen sollte er tunlichst nicht korrigieren, das kommt erfahrungsgemäß nicht so gut an.
  • Türkisch sprechen sollte nicht mehr sein. Türkisches Fernsehen ist in geringem Maße erlaubt, aber es sollte sich nur in deutsch unterhalten werden. Man will ja schließlich verstehen, worüber gesprochen wird. Die könnten ja sonst über einen herziehen oder dergleichen.
  • Er sollte sich den deutschen Essgewohnheiten anpassen. Es sollten nur noch streng deutsche Gerichte auf den Tisch kommen: Spaghetti Bolognese, Hamburger, Pommes, Pizza usw. Einmal pro Woche Schweinefleisch muss sein. Auch Alkoholtrinken sollte verpflichtend sein – ein Bier am Tag oder stattdessen einmal pro Jahr Pilgerfahrt zum Oktoberfest.
  • Er sollte seine Neigung zum Islam aufgeben. Nach einer Sperrfrist von fünf Jahren, muss er sich um die Mitgliedschaft in einer christlichen Gemeinde bewerben. Einfach so konvertieren geht aber nicht, der Glauben muss schon von Herzen kommen.
  • Wenn irgendwo auf der Welt ein Terroranschlag im Namen des Islam begangen wird, ist es seine Pflicht, die Tat auf schärfste zu verurteilen und glaubhaft zu versichern, dass er selber ein friedlicher Mensch ist, der so etwas nie tun würde. Am besten schriftlich. Ausnahmen bilden Attentate, bei denen keine Deutschen oder andere Bürger der westlichen Welt zu Schaden kommen, die interessieren uns nämlich nicht.
  • Er sollte seinen eigenen Landsleuten gegenüber besser ablehnend eingestellt sein. Er sollte sich bei jeder Gelegenheit glaubhaft von ihnen distanzieren und ihre rückwärtsgewandte Weltanschauung auf herablassende Art und Weise kritisieren. Im Idealfall sollte er gar keinen Umgang mit ihnen pflegen. Auch nicht mit seinen Verwandten, die Gefahr für Zwangsheiraten und Ehrenmorde wäre zu hoch.
  • Er sollte sich der deutschen Lebensart vollständig anpassen, dazu gehört viel Fernsehen, Fussball und Grillen mit den Freunden. Dabei ist jedoch ein gesundes Gleichgewicht zwischen Anpassung und Anbiederung einzuhalten. Man kann es mit dem Bemühen schliesslich auch übertreiben. Niemand mag Leute, die sich allzu sehr ranschmeissen. Einmal pro Monat Falschparken, das erhöht die Glaubwürdigkeit.
  • Er sollte keinerlei Forderungen an seine Mitmenschen, die Gesellschaft oder gar den Staat stellen. Wenn ihm Unrecht geschieht, hat er dies insoweit zu dulden, dass man ihm nicht nachsagen kann, er wäre zu selbstbewußt oder gar aufsässig. Solche Leute haben wir hier nämlich nicht so gern.

Kurz gesagt: Er soll sich selbst als vollwertiges Mitglied dieser Gesellschaft wahrnehmen, mit allen Rechten und Pflichten, die das mit sich bringt. Solange er nicht aufmuckt, er niemanden stört, er nicht auffällt und tut, was man ihm sagt.

Das wäre dann also mein Beitrag zur Integrationsdebatte. Die Punkte sollen vor allem erstmal nur als Grundlage für eine offene und vorurteilsfreie gesellschaftliche Diskussion dienen – die natürlich weiterhin ohne die Türken stattfindet, persönlich kennen wir schliesslich keine.


Aufregividerm

23. Oktober 2009

Hehe, die Welt ist wirklich schlecht. Bin ich doch auch gleich, nachdem ich die Sendung über das „verhinderte“ Neurodermitis-Medikament Regividerm am Montag gesehen hatte, durch die Weltgeschichte gerannt, um jedem, der es nicht oder doch wissen wollte, davon zu erzählen, was die bösen Pharmakonzerne wieder für eine Scheisse angerichtet haben.

Nun entpuppt sich die ganze Chose als PR-Nummer, und es ist der Hammer: ich schäme mich, fühle mich bestätigt, bin erleichtert und traurig, aber böse und desillusioniert – alles gleichzeitig. Warum ich mich schäme, brauche ich wohl nicht weiter zu erklären. Bestätigt fühle ich mich praktischerweise gleich dreifach: Erstens weil die Pharmakonzerne tatsächlich böse sind – da kann auch die Falschheit der Geschichte nichts dran ändern. Zweitens weil man dem Fernsehen und den doofen Journalisten schon lange nicht mehr über den Weg trauen kann. Und drittens weil die Geschichte einfach zu gut in mein Weltbild gepasst hat, um wahr zu sein. Erleichtert bin ich, dass die Geschichte nicht stimmt, das Medikament also nicht unterdrückt wurde. Traurig bin ich aber nun, weil es damit nun auch kein Medikament gibt, das den armen Betroffenen hilft. Böse bin ich auf die Beteiligten, die so schamlos meine Gefühlswelt ausgenutzt haben, nur um Werbung für ihren Mist zu machen. Desillusioniert war ich – ehrlich gesagt – schon vorher, aber, so wie es scheint, ist das noch steigerbar.

Was mache ich morgen, wenn herauskommt, dass der aktuelle Vorwurf  „PR-Kampagne“ nur ein weiterer Versuch der Pharmaindustrie ist, Regividerm vom Markt zu halten?!


PiPa(Ki)Po

8. Juli 2009

Folgender Satz wurde tatsächlich von einem Menschen gesagt: „Wir können es doch als Gesellschaft nicht hinnehmen, das – so wie es die Piratenpartei fordert- Jugendliche und Erwachsene ungehindert Zugang zu Kinderpornos im Internet haben können, nur weil diese vom Ausland aus angeboten werden.“

Dieser Mensch nennt sich Sascha Raabe (SPD). Da müssen wir aber ma echt aufpassen, dass diese Piraten nich in den Bundestach kommen. Sonst wird am Ende noch Kinderporno kucken zur Pflicht.

Ich weiss, damit macht man keine Scherze, aber der hat angefangen…

(via)


Kilo, wat?!

7. Juli 2009

Wieder mal so eine beiläufige Heise-Meldung: Kernkraftwerksrückbau für Milliarden.

Halten wir mal fest:

  • Ein AKW zu bauen kostet Milliarden.
  • Ein AKW zu betreiben kostet Millionen.
  • Wenn das AKW in die Luft fliegt, kostet es sogar Billionen.
  • Den Müll zu lagern kostet Millionen und dauert tausende Jahre.
  • Ein AKW stillzulegen kostet Milliarden.
  • Die Lobbyarbeit kostet Millionen.

Kann mir das jetzt mal bitte jemand auf die Kilowattstunde umrechnen?!


Kobayashi Maru

21. November 2008

Innenminister Schäuble ist ein Mensch, der in die Zukunft blickt. Jemand, der den Anforderungen, die kommen, nicht unvorbereitet begegnen möchte. Er braucht dazu das BKA-Gesetz – und er weiss, dass es gut ist. Schlecht nur: die anderen wissen es nicht.

Aber das stört Hr. Schäuble nicht. Er macht es nun so wie Captain James T. Kirk. Der schaffte im dritten Anlauf den sagenumwobenen und bis zu diesem Zeitpunkt als unlösbar und ausweglos geltenden Kobayashi Maru Test, indem er einfach die Regeln für den Test selbst änderte.

Das könnte in der Politik zu einem richtigen Erfolgsrezept werden.