Eine Geschichte mit Bart

30. Mai 2011

Am 14. April 1912 wurde die Jungfernfahrt der RMS Titanic durch einen Eisberg vorzeitig beendet. Mehrere Tausend Menschen kamen dabei ums Leben, und zwar deshalb, weil die Sicherheitsvorkehrungen nicht ausreichend gewesen waren. Jeder kennt die Geschichte der Titanic, die in erster Linie ein Lehrstück vom Hochmut der Technik ist.
Diese Geschichte ist Teil des kollektiven Gedächtnisses und hält bei jeder Gelegenheit als schlechtes Beispiel her. Selbst ein Kind versteht, dass es nicht gutgehen konnte, einfach gegen einen Eisberg zu fahren, und darf sich über soviel Dummheit wundern. Tja, damals waren die Menschen eben noch ahnungslos, trugen seltsame Bärte und meinten, sie könnten jede Naturgewalt beherrschen. Diese Blödmänner.

„… a nuclear power accident could never occur in technologically advanced Japan.“

Abgesehen von den Bärten hat sich glaube ich nicht viel verändert…

(via Fefe)

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Politisch inkonkret

30. Dezember 2010

Jeder hat eine Vorstellung davon, was „politisch korrekt“ bedeutet. Ist dies doch ein strapazierter und in die Jahre gekommenen Kampfbegriff.
Er beruht auf der gleichen seltsamen Wirkungsweise wie „Gutmensch“. „Politische Korrektheit“ muss sich derjenige als Vorwurf gefallen lassen, der in den Augen der Kritiker zu viel Rücksicht auf politische Empfindlichkeiten nimmt mit dem, was er sagt. Dumm nur, dass das, was politisch gerade Mainstream ist, sich hin und wieder auch mal ändert. Sicherlich gab es mal eine Zeit, in der viel Rücksicht (auch sprachliche) auf Frauen, Ausländer, Arme und andere Randgruppen genommen wurde. Ist das nicht aber lange schon vorbei?


Schadlos

17. November 2008

Ich lese ja gerne mal das lawblog. Ich war darauf durch Udo Vetters Vortrag damals auf dem 23C3 aufmerksam geworden. Manchmal schaue ich da eben rein, wie auch gestern, wo Hr. Vetter sein Unverständnis gegenüber einem Statement von Oskar Lafontaine ausdrückte. Mich stört auch nicht so sehr Hr. Vetters Ansicht, die ich schlichtweg unreflektiert finde, sondern natürlich auch die Vielzahl der Kommentare, die sich an den Beitrag anschlossen, die zum größten Teil noch unreflektierter sind.

Im Kern geht es in dem Beitrag und den Kommentaren (neben jeder Menge Lafontaine-Bashing) um das Problem, ob man sich denn für ein Jahreseinkommen von über 600.000 Euro schämen solle oder nicht. Meine Meinung zu diesem Thema ist denkbar einfach: Es gibt eine Obergrenze dessen, was ein einzelner Mensch mit seiner physischen und intellektuellen Kraft zustande bringen kann. Diese Obergrenze sollte sich auch im Einkommen wiederfinden.

Es gibt keinen Menschen, der eine so außerordentliche „Fähigkeit“ besitzt, die es rechtfertigen könnte, dass sein Lebensstandard ein Vielfaches über dem liegt, was bereits für alle anderen Luxus bedeuten würde. Das Problem bei diesen hohen Einkommen ist nämlich, dass diese meiner Meinung nach immer darauf beruhen, dass jemand anders ein Teil seines Einkommens dafür opfern muss.

Wenn beispielsweise eine Autofabrik ein außergewöhnlich gutes Jahresergebnis einfährt, sollte das zur Folge haben, dass alle, die in dieser Firma arbeiten, daran teilhaben, da dies ein Werk aller ist. Und sei es die Putzfrau, die abends die Halle durchfegt, auch sie hat ihren Anteil daran.

Und nein, ich habe nichts dagegen, dass es Leute gibt, die aufgrund von hoher Verantwortung und Fähigkeiten mehr Einkommen verdient haben. Es geht um das Verhältnis.

Was ich an Udo Vetters Beitrag und der Vielzahl von Kommentaren am schlimmsten finde, ist jedoch folgendes: Ich vermute mal, es gibt keinen, der sich dort geäußert hat, der tatsächlich zu dieser Riege der 600.000+ gehört. Dennoch kochen die Meinungen hoch. Warum? Haben sie alle die Illusion oder die Hoffnung, irgendwann einmal auch dazuzugehören? Anders kann ich mir das nicht erklären, wenn sich diese Leute zu Steigbügelhaltern einer Gruppe machen, die doch eher abschätzig auf sie herabsieht…


Kampf gegen das Übergewicht

9. Mai 2007

Oh Gott. Jetzt beginnt die Bundesregierung nach dem Kampf gegen den Terrorismus™ nun auch noch den Kampf gegen das Übergewicht.

Ich habe da noch diverse Bauanleitungen für Kalorienbomben auf meiner Festplatte liegen…


Ein bisschen Krieg…

26. Juni 2006

Was war das gestern bitte für ein Spiel? Niederlande gegen Portugal. Wer einem da jetzt noch erzählt „Schickt Eure Kinder in die Sportvereine, da kommen sie nicht auf dumme Gedanken“, der sollte gründlich sein Weltbild überdenken. 16(!) gelbe Karten, davon 4(!) gelb-rot, das heißt am Ende standen gerade mal noch 9 gegen 9 auf dem Platz.

Das war kein Sport, das war Krieg.

Und nebenbei ein Spiel voller Dramatik, Tragik und Verzweiflung. Ich sehe es schon – nächstes Jahr: Erst wird das Buch zum Spiel kommen, dann der Film zum Buch.


Partyotismus

20. Juni 2006

Wenn mich eines nervt, sind es Massenphänomene. Heute: FIFA WM(tm) – Deutschland – Equador 3:0. Ein Volk im Taumel. Bier und Gegröhle. Und wenn man sonst nix kann, kann man immer noch ne Deutschlandfahne schwenken. Das geht auch noch mit 2.0 Promille und ist außerdem ein politisches Statement. Was mich mehr aufregt, weiß ich eigentlich gar nicht: Sind es die Leute, die ihre Autos und Häuserwände in blindem Kadavergehorsam mit Schwarzrotgold tapezieren oder die Leute, die in eben diesem Gehorsam schon seit Wochen in Fernsehrunden darüber als Zeichen eines angeblich neuen unverkrampfteren Umgangs mit der Deutschen Nationalität diskutieren?

Wie immer bei solchen Erscheinungen, muß sich der geübte Skeptiker die Frage stellen: Wer zum Teufel verdient mal wieder daran? Und sofort hat er alle Antworten auf der Hand.