Schadlos

Ich lese ja gerne mal das lawblog. Ich war darauf durch Udo Vetters Vortrag damals auf dem 23C3 aufmerksam geworden. Manchmal schaue ich da eben rein, wie auch gestern, wo Hr. Vetter sein Unverständnis gegenüber einem Statement von Oskar Lafontaine ausdrückte. Mich stört auch nicht so sehr Hr. Vetters Ansicht, die ich schlichtweg unreflektiert finde, sondern natürlich auch die Vielzahl der Kommentare, die sich an den Beitrag anschlossen, die zum größten Teil noch unreflektierter sind.

Im Kern geht es in dem Beitrag und den Kommentaren (neben jeder Menge Lafontaine-Bashing) um das Problem, ob man sich denn für ein Jahreseinkommen von über 600.000 Euro schämen solle oder nicht. Meine Meinung zu diesem Thema ist denkbar einfach: Es gibt eine Obergrenze dessen, was ein einzelner Mensch mit seiner physischen und intellektuellen Kraft zustande bringen kann. Diese Obergrenze sollte sich auch im Einkommen wiederfinden.

Es gibt keinen Menschen, der eine so außerordentliche „Fähigkeit“ besitzt, die es rechtfertigen könnte, dass sein Lebensstandard ein Vielfaches über dem liegt, was bereits für alle anderen Luxus bedeuten würde. Das Problem bei diesen hohen Einkommen ist nämlich, dass diese meiner Meinung nach immer darauf beruhen, dass jemand anders ein Teil seines Einkommens dafür opfern muss.

Wenn beispielsweise eine Autofabrik ein außergewöhnlich gutes Jahresergebnis einfährt, sollte das zur Folge haben, dass alle, die in dieser Firma arbeiten, daran teilhaben, da dies ein Werk aller ist. Und sei es die Putzfrau, die abends die Halle durchfegt, auch sie hat ihren Anteil daran.

Und nein, ich habe nichts dagegen, dass es Leute gibt, die aufgrund von hoher Verantwortung und Fähigkeiten mehr Einkommen verdient haben. Es geht um das Verhältnis.

Was ich an Udo Vetters Beitrag und der Vielzahl von Kommentaren am schlimmsten finde, ist jedoch folgendes: Ich vermute mal, es gibt keinen, der sich dort geäußert hat, der tatsächlich zu dieser Riege der 600.000+ gehört. Dennoch kochen die Meinungen hoch. Warum? Haben sie alle die Illusion oder die Hoffnung, irgendwann einmal auch dazuzugehören? Anders kann ich mir das nicht erklären, wenn sich diese Leute zu Steigbügelhaltern einer Gruppe machen, die doch eher abschätzig auf sie herabsieht…

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