Klarer Fall

25. November 2008

Na denn. Christian Klar wird im Januar 2009 nach 26 Jahren Haft auf Bewährung entlassen. Sein Gnadengesuch war im letzten Jahr abgelehnt worden. Die Empörung um ihn war damals gross und ist es heute wieder.

Und es scheint immer noch eine Bedrohung von Hr. Klar auszugehen. Anscheinend ist er ein Mann, den selbst jahrzehntelange Haft nicht dazu bewegen konnten, seine unfassbaren Überzeugungen aufzugeben. Er scheint jemand mit eisernem Willen zu sein. Es wäre ein leichtes für ihn gewesen, Reue zu heucheln und damit möglicherweise seine Haft zu verkürzen, aber er hat es nicht getan.

Vor solchen Leuten hat diese Gesellschaft Angst. Leute mit einer festen Überzeugung. Und das ist genau der Grund, warum Klar auf diesen großen Widerstand trifft. Er führt den Menschen vor, dass sie, obwohl sie es denken mögen, keine echten Überzeugungen haben. Keine Überzeugungen jedenfalls, die einen 26-jährigen Gefängnisaufenthalt überleben würden. Das ist echt unangenehm…

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Kobayashi Maru

21. November 2008

Innenminister Schäuble ist ein Mensch, der in die Zukunft blickt. Jemand, der den Anforderungen, die kommen, nicht unvorbereitet begegnen möchte. Er braucht dazu das BKA-Gesetz – und er weiss, dass es gut ist. Schlecht nur: die anderen wissen es nicht.

Aber das stört Hr. Schäuble nicht. Er macht es nun so wie Captain James T. Kirk. Der schaffte im dritten Anlauf den sagenumwobenen und bis zu diesem Zeitpunkt als unlösbar und ausweglos geltenden Kobayashi Maru Test, indem er einfach die Regeln für den Test selbst änderte.

Das könnte in der Politik zu einem richtigen Erfolgsrezept werden.


Schadlos

17. November 2008

Ich lese ja gerne mal das lawblog. Ich war darauf durch Udo Vetters Vortrag damals auf dem 23C3 aufmerksam geworden. Manchmal schaue ich da eben rein, wie auch gestern, wo Hr. Vetter sein Unverständnis gegenüber einem Statement von Oskar Lafontaine ausdrückte. Mich stört auch nicht so sehr Hr. Vetters Ansicht, die ich schlichtweg unreflektiert finde, sondern natürlich auch die Vielzahl der Kommentare, die sich an den Beitrag anschlossen, die zum größten Teil noch unreflektierter sind.

Im Kern geht es in dem Beitrag und den Kommentaren (neben jeder Menge Lafontaine-Bashing) um das Problem, ob man sich denn für ein Jahreseinkommen von über 600.000 Euro schämen solle oder nicht. Meine Meinung zu diesem Thema ist denkbar einfach: Es gibt eine Obergrenze dessen, was ein einzelner Mensch mit seiner physischen und intellektuellen Kraft zustande bringen kann. Diese Obergrenze sollte sich auch im Einkommen wiederfinden.

Es gibt keinen Menschen, der eine so außerordentliche „Fähigkeit“ besitzt, die es rechtfertigen könnte, dass sein Lebensstandard ein Vielfaches über dem liegt, was bereits für alle anderen Luxus bedeuten würde. Das Problem bei diesen hohen Einkommen ist nämlich, dass diese meiner Meinung nach immer darauf beruhen, dass jemand anders ein Teil seines Einkommens dafür opfern muss.

Wenn beispielsweise eine Autofabrik ein außergewöhnlich gutes Jahresergebnis einfährt, sollte das zur Folge haben, dass alle, die in dieser Firma arbeiten, daran teilhaben, da dies ein Werk aller ist. Und sei es die Putzfrau, die abends die Halle durchfegt, auch sie hat ihren Anteil daran.

Und nein, ich habe nichts dagegen, dass es Leute gibt, die aufgrund von hoher Verantwortung und Fähigkeiten mehr Einkommen verdient haben. Es geht um das Verhältnis.

Was ich an Udo Vetters Beitrag und der Vielzahl von Kommentaren am schlimmsten finde, ist jedoch folgendes: Ich vermute mal, es gibt keinen, der sich dort geäußert hat, der tatsächlich zu dieser Riege der 600.000+ gehört. Dennoch kochen die Meinungen hoch. Warum? Haben sie alle die Illusion oder die Hoffnung, irgendwann einmal auch dazuzugehören? Anders kann ich mir das nicht erklären, wenn sich diese Leute zu Steigbügelhaltern einer Gruppe machen, die doch eher abschätzig auf sie herabsieht…